Anleitung zum Lustvollsein!

kulturkritik.ch - Bildmaterial zur Verfügung gestellt

Die Veranstaltung

Was: Werner Brix – Lust, lasst uns leben!
Wo: Im Hochhaus, Limmatplatz
Wann: 21.03.2014 bis 22.03.2014
Bereich: Theater

Die Autorin

Nadine Burri: Jahrgang 1981, studierte Germanistik und schreibt an einer Dissertation zu alter Geschichte und Literatur, Redaktionsmitglied des Elfenbeintürmers (Historikermagazin der Universität Zürich)

Die Kritik

Lektorat: Antonia Steger.
Diese Kritik wurde in Auftrag gegeben und bezahlt von: Migros-Kulturprozent (siehe Unabhängigkeit).

Von Nadine Burri, 22.3.2014

Kleinkunstbühne des Migros-Kulturprozent: Werner Brix, der österreichische Kabarettist und Schauspieler, betritt die Bühne und zieht die Zuschauer gleich in seine Theaterszene hinein. Offenbar befinden wir uns nicht mehr in Zürich, sondern warten mitten auf dem Stephansplatz in Wien auf unsere Reiseleiterin. Da die Dame leider verhindert ist, müssen wir mit dem Verkäufer von All-inclusive-Opernausflügen vorlieb nehmen – Werner Brix. Wie sich herausstellen wird, steht dieser nicht allein auf der Bühne, sondern mit ihm sein alter ego: der Zyniker.

«Freudenfinder» und «Mitmacher»

Wer sich auf passives ‹Bespasstwerden› eingestellt hat, wird enttäuscht. Gleich zu Beginn tritt Werner Brix mit dem Publikum in Interaktion. Er läuft durch die Zuschauerreihen und plaudert munter mit den erstaunten Gästen drauflos. Denn wer nur zuschaut, ist ein «Spanner» und diese sind ihm zu passiv, wollen weder berührt werden noch selber berühren. Doch Brix möchte nicht einfach nur den Konsumenten und Spanner bedienen. Wir sollen uns als «Freudenfinder» und «Mitmacher» voller Lust ins Leben stürzen – auch wenn der Zyniker das total sinnlos findet.

Meister der Sorgenbastler

Zu lange waren wir nach Brix’ Meinung verdriesslich, manipuliert, ängstlich und im Sog der medialen Negativmeldungen. Seiner Ansicht nach besteht die Welt aus unzähligen Realitäten und wir verfügen über das zielsichere Gespür, uns immer die sorgenvollste Realität auszuwählen – nein, sie sogar meisterhaft zu basteln. Wir halten fest an Strukturen und Regeln, die uns vermeintliche Sicherheit geben. Doch wir leben nicht mehr in der Steinzeit, müssen weder jagen noch uns Vorräte anhäufen. Weshalb agieren wir dann immer noch so steinzeitlich? Brix glaubt daran, dass der Mensch gut ist, «aber zum lustvollen Leben fehlt ihm der Mut!» An genau diesen Mut appelliert der Kabarettist und hat für sich selber beschlossen, die Lust neu zu entdecken und sich keine Sorgen mehr zu machen.

Die Oper: eine Analogie

Werner Brix liebt die Oper! Sie ist üppig, überbordend, bunt und aufwändig: alles nur für einen einzigen Abend der Freude. Der Zyniker hasst die Oper! Der schreckliche Gesang quält seine Ohren. Die fürchterliche Anstrengung der Sänger, alles richtig zu machen ist unerotisch. Die marionettenhaften Bewegungen der Darsteller erscheinen ihm zu unnatürlich. Dieser Konflikt widerspiegelt das Leben: Wieso vermiest uns der stänkernde Zyniker immer wieder die Lust? Die wiederkehrende Frage nach dem Warum richtet einen Appell an den Zuschauer, sich der häufig unnötigen Sorgen bewusst zu werden.

 Werner Brix’ Programm ist noch neu und läuft nicht immer ganz rund. Einige wienerische Ausdrücke mögen dem Schweizer Publikum nicht geläufig sein und durch Längen im Programm geht der rote Faden zwischenzeitlich etwas verloren. Doch Brix ist ein Profi und überspielt auch kleinere Texthänger sehr charmant.

Verbannt den Zyniker!

Nach der Pause steigt das Tempo und das Thema kommt auf den Punkt. Werner Brix nimmt sein eigenes Beziehungsleben als Beispiel und schildert die ‹Reise› zu einem gemeinsamen lustvollen Leben. Der Mensch sehnt sich nach Zweisamkeit – mal mehr, mal weniger. Doch zum Glücklichsein muss der Zyniker, «dieser widerliche Typ», in seine Schranken gewiesen werden.

Fazit: Den Fernseher und somit (zumindest zeitweise) Negativschlagzeilen verbannen, gut essen und trinken, lachen, Freunde treffen und einen lustvollen Abend geniessen! Denn: «Der Mensch ist gut und das Leben ist schön!»

Weiterlesen: