Den Träumen so fern

kulturkritik.ch - Bildmaterial zur Verfügung gestellt

Die Veranstaltung

Was: Left Food, Right Food
Wo: Zurich Film Festival
Wann: 17.10.2013
Bereich: Zurich Film Festival 2013

Zurich Film Festival

Kulturkritik ist am Zurich Film Festival 2013. Wir begleiteten das Festival und berichteten live.

Die Autorin

Eva Hediger: Eva Hediger, Jahrgang 1989. Bachelor in Journalismus, Studentin des Masterstudiengangs Kulturvermittlung, «publizieren & vermitteln» an der ZHdK.

Die Kritik

Lektorat: Tilman Hoffer.

Von Eva Hediger, 28.10.2013

«Un poème» sei der Film, so der Regisseur Germinal Roaux – und warnt vor der Langwierigkeit von Left Foot, Right Foot. Doch die langen Szenen im Park, das Filmen des Vogelschwarms und der Baumblätter werden verziehen. Visuell ist der Schwarz-Weiss-Film ein Fest. Selten wurden so sanft und schön Momente eingefangen, kleine Liebeserklärungen an die Schönheit des oft tristen Alltags der Lausanner Jeunesse.

Unterbezahlte, schwierige Familienverhältnisse und ihre fast freundschaftliche Liebe dominieren den Alltag von Vincent und Marie. Die Ausweglosigkeit vereint das ungleiche Paar. Er, der mit schwarzem Filzer alles verziert und beschmiert. Sie, die nicht weiter als bis zum nächsten Geldschein denkt. Vincent wirft ihre ständigen Gedanken an «fric, fric, fric!» im Streit vor. Er ahnt nicht, dass die Sehnsucht nach Luxus das Mädchen in die Prostitution getrieben hat. Der Freier wird zum Feind, Maries Fehlentscheidungen rächen sich. Währenddessen entscheidet sich Vincent immer stärker für das, was er bisher als Schweizer Spiessertum verpönt hat. Er löst sich von seinen jugendlichen Vorstellungen, gibt die Verantwortung für seinem geistig behinderten Bruder ab. Um diesen kümmert sich Vincent anfänglich bis zur Aufopferung. Vergisst  Marie, verspielt den Job.

Gesten und Geld
In Left Foot, Right Foot tanzen, straucheln und schreiten die Protagonisten in ihr Leben, ihre Zukunft. Der Film fokussiert mal auf Vincent, dann auf Marie. Kurze SMS, rührende Gesten und kleine Geschenke zeugen von ihrer Zuneigung und dem Gefühl der Zugehörigkeit. Besonders Nahuel Perez Biscayart gelingt es, den naiven Vincent perfekt zu mimen. Stets erschöpft und zersaust beobachtet er das Verhalten seiner Freundin, kneift die Augen zusammen oder droht mit überraschender Energie seinem Chef. Grosses Schauspiel ist die Leistung von Dimitri Stapfer. Der Deutschschweizer spielt Vincents autistischen Bruder. Daneben verkommt Marie stellenweise zum blassen Gör. Dies liegt aber weniger an der Schauspielerin Agathe Schlencker, als an der eher flachen Figur. Trotzdem: Ein starkes Trio in einem sehenswerten Film.

 

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