Kulturpresseschau: Allround-Redaktoren und Intellektuelle

kulturkritik.ch - Bildmaterial zur Verfügung gestellt

Kulturpresseschau

Was läuft in der Kulturwelt? Worüber wird in den Feuilletons, Sendungen, Blogs und Portalen gesprochen und gestritten? In der regelmässigen Kulturpresseschau von kulturkritik.ch greifen wir aktuelle Themen und Diskussionen der Kulturpublizistik auf, führen sie zusammen, kommentieren und verlinken auf die interessantesten Texte dazu.

Der Autor

Lukas Meyer: Jahrgang 1983, studierte Philosophie, Geschichte und Literatur und arbeitet als freier Journalist und Texter in Zürich.

Die Kritik

Lektorat: Stefan Schöbi.
Dieser Beitrag wurde durch eine Patenschaft ermöglicht. Herzlichen Dank (siehe Unabhängigkeit).

Von Lukas Meyer, 22.10.2013

Kulturschaffende in Deutschland wollen Besprechungen ihrer Werke frei nutzen können. Zum Eklat kam es, nachdem zwei Künstler von Journalisten abgemahnt wurden, weil sie deren Texte auf ihren Homepages veröffentlichten. Missachten die Künstler damit die Urheberrechte der Journalisten? Oder haben sie ein Nutzungsrecht auf  Kritiken der eigenen Arbeit? In einem offenen Brief und in einer Gruppe auf Facebook fordern und diskutieren Kulturschaffende eine Toleranzregelung. Wie dieser Artikel auf iRights.info zeigt, ist die Frage umstritten – obwohl das geltende Recht klar ist: Auszüge aus Artikeln sind gestattet, ganze Texte nicht.

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Dabei sollten die Künstler schon von Glück reden, wenn die Journalisten ihr Werk überhaupt rezipiert haben. «So viel Zeit habe er nun wirklich nicht, dass er sich jede CD anhören könne, die er besprechen müsse», lässt Pedro Lenz in seiner NZZ-Executive-Kolumne einen jungen Kulturredaktor sagen – angeblich eine wahre Geschichte.

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Die von Lenz überspitzt beschriebene Tendenz zum recherchierfaulen Allround-Redaktor zeigt sich auch darin, dass immer öfters Experten befragt werden. Darunter seien leider immer weniger Intellektuelle, meint «NZZ»-Redaktor Martin Senti. Eine Ausnahme bildet der emeritierte Literaturprofessor Peter von Matt, von den Medien regelmässig zu verschiedensten Themen befragt wird. Er meint: «Ich mische mich nicht ein, ich werde eingemischt.» Wichtig dabei sei, dass man sich nicht einbinden lassen; bei einem wahren Intellektuellen wisse man nie genau, was er als Nächstes sage.

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Am Filmfestival Locarno – das auch von kulturkritik.ch im Rahmen eines «Living Case» begleitet wurde – haben sich Filmkritiker über ihren Beruf unterhalten, wie Persoenlich.com berichtet. Problematisch sei das Verhältnis sowohl zu den Auftraggebern, die möglichst knackige Formulierungen und deutliche bis überrissene Urteile erwarten, wie auch zu den Lesern, deren Reaktionen selten konstruktiv seien. Dabei brauche es professionelle Filmkritiker unbedingt, um Filme fundiert besprechen und in den richtigen Zusammenhang stellen zu können.

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Ein ähnliches Finanzierungs-Modell wie das hinter dem Kulturblog kulturkritik.ch sollte theaterkritik.ch am Leben halten. Das Portal wird nun aber nach zweijährigem Bestehen eingestellt. Das Projekt sei leider nicht selbsttragend geworden, schreibt der Verein in einer Pressemitteilung; zu wenig Theaterhäuser hätten 600 Franken für zwei Besprechungen einer Aufführung aufwerfen wollen. «Für diese Art von kommerzieller Öffentlichkeitsarbeit gibt es offenbar kein Publikum», resümiert die «Berliner Zeitung» nicht ohne Häme. Dem stimmt die Redaktion von kulturkritik.ch freilich nicht zu. Sicher ist hingegen: Die Diskussion um die Finanzierung des Kulturjournalismus bleibt virulent.

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