Starke Collagen in schwachen Räumen

kulturkritik.ch - Bildmaterial zur Verfügung gestellt

Die Veranstaltung

Was: pulp.noir matchcuts 1
Wo: message salon, Perla-Mode, Ecke Langstr./Brauerstr., 8004 Zürich
Wann: 28.03.2012 bis 07.04.2012
Bereich: Bildende Kunst

Der Autor

Dominik Wolfinger: Dominik Wolfinger ist geboren und aufgewachsen im Fürstentum Liechtenstein. Nach der Sekundarschule schloss er eine Lehre als Chemielaborant ab. Seit 2010 studiert er an der Zürcher Hochschule der Künste Dramaturgie.

Die Kritik

Lektorat: Lukas Meyer.
Diese Kritik wurde in Auftrag gegeben und bezahlt von: pulp.noir (siehe Unabhängigkeit).

Von Dominik Wolfinger, 31.3.2012

Die Künstlergruppe «pulp.noir» verfolgt das Ziel, die Absurdität des Lebens auf künstlerische Art und Weise zu erkunden. In ihrem neuesten Werk «matchcuts» kreierten die Künstler zwölf digitale Collagen. Jede dieser Collagen besteht aus konträr zusammengesetzten Audio- und Video-Einzelteilen, welche inhaltlich miteinander verlinkt sind und dabei in einer Endlosschleife assoziativ von grösseren Themenkomplexen erzählen. Die Themen erstrecken sich dabei von Leben und Tod, Schönheit und Zerstörung bis zu Angst und Hoffnung. Dabei wird vor allem auf der Bildebene symbolhaft auf die Themen verwiesen, was beim Zuschauer diverse Sinnzusammenhänge entstehen lässt.

Erstmals präsentiert wurden die Collagen im «Message Salon» im Haus Perla-Mode an der Langstrasse. An vier Computern konnte sich der Besucher mit Kopfhörern ausstatten und in die Welt der Collagen eintauchen. Die Wahl und Einrichtung des Raumes schwächen allerdings die Wirkung der Collagen und hindern einen fast daran, das Umfeld zu vergessen und auf Erkundungsreise zu gehen, da die Unruhe im Raum und die anderen Besucher einem die Konzentration rauben können.

Einsam und in Ruhe kann man aber auf der Internetseite http://www.matchcuts.ch/exhibition.html über Links die Collagen nach Belieben auswählen und betrachten. Die Links geben zugleich den Titel des Inhalts wieder, welcher die verschiedenen Ebenen zusammenhält. Um voll und ganz in die Collagen eintauchen zu können, lohnt es sich, das Licht zu löschen und den Ton aufzudrehen.

Spielfeld und Schlachtfeld

Die Collage «field» zum Beispiel geht vom Spielfeld über ein Spannungsfeld zum Schlachtfeld: Sie zeigt auf der linken Seite ein Schachbrett mit einer Schachfigur, welche bewegt wird. Sobald der Zug ausgeführt ist, fällt auf der rechten Seite ein Soldat. Im Hintergrund erkennt man schwach die physikalische Formel für Spannung. Unterlegt werden die Bilder von Militärmärschen, Todesröcheln und Schachbegriffen.

Die Collagen erinnern oft an Computerspiele oder Träume. Manchmal mit fast plakativen Elementen verknüpft, schafft es jede Collage, bei genauerer Betrachtung in tiefere Ebenen einzutauchen, grössere Zusammenhänge zu erforschen und durch die ewigen Wiederholungen Schwebezustände zu erzeugen. Durch den Facettenreichtum, der den Collagen innewohnt, kann jeder Betrachter seinen eigenen Sinn erzeugen und seinen Assoziationen freien Lauf lassen.

Fragen und Humor

Mit einer Prise Humor kann unter anderem aber die Collage «progressing» überzeugen. Durch eine völlig verpixelte Stadt krabbelt eine Baby und wird ohne weitere Umschweife direkt zum alten Mann, der sich mit einem Rollstuhl weiter bewegt, bis sich der alte Mann wieder zum Baby transformiert. Bei jeder Verwandlung wird ein «LEVEL UP» eingeblendet. Vor allem bei «progessing» erkennt man die Affinität der Künstler zu Computerspielen, da Ton und Bild eindeutig und gekonnt auf die Spiele der 1990er-Jahre verweisen.

Die handwerklich gut gebauten Collagen, die hervorragend Bild und Ton verknüpfen, lösen beim Zuschauer Fragen aus – über das Leben und dessen Inhalt, welche die vielen Assoziationen, Spielereien und Zweideutigkeiten zulassen. Jedoch bleibt es bei Fragen, denn die skurrilen und kontrastierenden Motive wirken einen Schritt zu konstruiert, um tiefe emotionale Berührungen zu erzeugen. Man ist damit beschäftigt, die vielen Einzelteile zu analysieren, und verliert dabei das grosse Ganze aus den Augen.

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