Von Liebe keine Spur

kulturkritik.ch - Bildmaterial zur Verfügung gestellt

Die Veranstaltung

Was: Mats Staub: «Die Namen der Liebe»
Wo: Theaterhaus Gessnerallee Zürich, im Stall 6
Wann: 15.04.2012 bis 28.04.2012
Bereiche: Bildende Kunst, Theater

Der Autor

Dominik Wolfinger: Dominik Wolfinger ist geboren und aufgewachsen im Fürstentum Liechtenstein. Nach der Sekundarschule schloss er eine Lehre als Chemielaborant ab. Seit 2010 studiert er an der Zürcher Hochschule der Künste Dramaturgie.

Die Kritik

Lektorat: Lukas Meyer.
Diese Kritik wurde in Auftrag gegeben und bezahlt von: Theaterhaus Gessnerallee (siehe Unabhängigkeit).

Von Dominik Wolfinger, 17.4.2012

Das Theaterhaus Gessnerallee feiert passend zum Frühlingsbeginn ein Festival der Liebe. Nebst viel Tanz und Theater bildet die Installation «Die Namen der Liebe» des Künstlers Mats Staub einen festen Bestandteil. Mit seiner neusten «Installation in Progress» hat sich Staub dabei selbst die Aufgabe auferlegt, mehrere Menschen zu filmen, während diese die Vornamen jener Personen wiedergeben, die sie geliebt haben. 24 Gesichter, meist mittleren bis höheren Alters, tummeln sich, separiert auf Bildschirmen, und mischen 213 Vornamen durcheinander. Was sich vielleicht so romantisch anhört, stellt sich leider als sehr träge heraus.

Emotionslose Videos

Es mag ein schmaler Grat zwischen Kitsch und Trockenheit sein, auf dem ein Künstler sich bewegt, wenn er zum Thema Liebe etwas präsentiert. Schliesslich ist die Liebe jenes Thema, welches uns Menschen am meisten fühlen, leiden und arbeiten lässt. Während man sich durch den Raum bewegt und von Monitor zu Monitor wandert, wird man dazu verleitet, sich das eigene Liebesleben vor Augen zu führen, das Gedächtnis zu aktivieren und sämtliche Namen der geliebten Personen Revue passieren zulassen. So teilt man für kurze Zeit die Gefühle der Personen auf den Bildschirmen, bevor man sich von diesen wieder entfernt. Mehr Emotion als jene, die das eigene Gedächtnis anbietet, wird man leider nicht erfahren, denn wenn man selbst alle Namen der ehemaligen VerehrerInnen durchgegangen ist, merkt man, dass man kaum 24 Videos benötigt, um die Absicht zu verstehen.

Die kurzen Filme, die in einer Endlosschleife sich immer wiederholen, bieten leider zu wenig, um mit Faszination dranzubleiben. Auch wenn die Videos einem manchmal ein leichtes Schmunzeln auf die Lippen zaubern, wünscht man sich doch rasch mehr Geschichten, mehr Emotionen und ein wenig mehr Romantik.

Liebloser Raum

Die Werkstatt des Theaterhauses Gessnerallee, in welcher die Installation aufgestellt ist, wird ebenso wenig von Liebe erfüllt. Die 24 Monitore stehen wild im Raum verteilt und wirken eher zwischengelagert als bewusst platziert. Auch wenn das Ambiente leidenschaftslos wirkt, wagt man natürlich den kleinen Rundgang durch die Lagerhalle und versucht, so gut wie möglich allen Gesichtern Aufmerksamkeit zu schenken. Die vielen verschiedenen Vornamen aller je geliebten Personen sollten zusammen eine Komposition oder eine Melodie ergeben.

Jedoch bilden die Namen mehr ein Grundrauschen, welches einen hintergründig stört, während man sich auf die einzelnen Namen zu konzentrieren versucht. Wenn man das Namengewirr und die vielen Gesichter wieder verlässt und seinen eigenen kleinen Moment der Erinnerung an die Liebe hatte, denkt man hoffentlich an die bevorstehende Zukunft, die ebenso mit Namen der Liebe erfüllt sein sollte. Wer mag, darf sich auch beim Künstler melden und mit seinem Gesicht und seinen Namen ein Teil der «Installation in Progress» werden.

Den Trailer zu «Die Namen der Liebe» sowie weitere Arbeiten von Mats Staub kann man unter http://www.erinnerungsbuero.net/projects/die-namen-der-liebe/ ansehen.

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