Von kleinen Dingen und grossen Zusammenhängen

kulturkritik.ch - Bildmaterial zur Verfügung gestellt

Die Veranstaltung

Was: Clément Layes: «Allege»
Wo: Theaterhaus Gessnerallee
Wann: 07.02.2012
Bereich: Performance

Der Autor

Dominik Wolfinger: Dominik Wolfinger ist geboren und aufgewachsen im Fürstentum Liechtenstein. Nach der Sekundarschule schloss er eine Lehre als Chemielaborant ab. Seit 2010 studiert er an der Zürcher Hochschule der Künste Dramaturgie.

Die Kritik

Lektorat: Lukas Meyer.
Diese Kritik wurde in Auftrag gegeben und bezahlt von: Theaterhaus Gessnerallee (siehe Unabhängigkeit).

Von Dominik Wolfinger, 8.2.2012

Als zweiten Teil einer Doppelperformance im Theaterhaus Gessnerallee präsentierte der französische Philosoph und Tänzer Clément Layes seine Soloperformance «Allege».

Nachdem das Publikum Platz genommen hatte und langsam Ruhe einkehrte, begann ein gewöhnlicher Wasserkocher mit dem Prolog. Aufmerksam hörte man zu, wie das immer heisser werdende Wasser sprudelte, bis mit einem kleinen «tick» der Höhepunkt erreicht war. Gleich darauf schritt Layes zielgerichtet und mit eiligen Schritten auf die Bühne. Eine blaue Latzhose und ein weisses Hemd kleideten seinen Leib und ein leeres Glas schmückte sein Haupt. Eifrig richtete der eben erst erschiene Performer seine Bühne ein, platzierte eine kleine Pflanze auf den Boden, stellte einen Tisch auf und holte aus einem Abfalleimer mehrere Gläser und Wasserflaschen.

Pflanzengiessen und Slapstick

Auch eine dekorative Bühnenpflanze kann vom Scheinwerferlicht allein nicht leben und eben darum suchte unser Performer möglichst viele Wege, der kleinen Pflanze Wasser zu geben. Mit rhythmischen Bewegungen wurde erst das Wasser aus den Flaschen in die Gläser verteilt, um dann anschliessend mit diesen die Pflanze zu tränken. Die Kreativität und Vielfältigkeit von Layes schienen dabei grenzenlos und mit seinen schrägen Bewegungen und Slapstick-Einlagen blieb weder ein Auge noch der Boden trocken.

Nachdem das Pflänzchen auf etliche Arten zu trinken bekommen hatte, zeigte unser Performer seine wahre Macht und liess mit schnippen und einfachen Handbewegungen den Raum von Licht und Musik durchfluten, im Spotlight stets die kleine Pflanze. Nach weiteren Spielereien mit den Objekten, welche die Bühne dekorierten, dem Licht und der Musik, bewegt sich plötzlich der ausgestreckte Zeigefinger zum Glas und das erste Wort «Mechanik» fiel.

Viele Worte und ein rasches Ende

Da das lange Schweigen gebrochen war, strömte eine Flut aus Worten, welche sämtliche Objekte erklärten, aus dem Performer. So wurde erklärt, dass Wasser Energie, die Bühne der Ozean, die Musik die Zeit und die Pflanze schliesslich das Leben ist. Da also die Definitionen klar waren, machte sich Layes auf die Spur der Zusammenhänge dieser Objekte und formte beispielsweise aus Zeit und Energie das Leben. Mit rasender Geschwindigkeit wurden immer mehr Verknüpfungen und Zusammenhänge geformt, bis plötzlich der Rausch abbrach und mit den Worten «the end has finished» die Bühne sich langsam der Dunkelheit ergibt.

Mit «Allege» gelingt es Clément Layes, eine unterhaltende und kreative Form zu schaffen, welche im Laufe des Abends sich nicht davor scheut, eine Ebene tiefer zu gehen und einfache, unbedeutende Objekte spielerisch miteinander zu verknüpfen und dabei grosse Zusammenhänge zu erklären. Ein kleiner Abend mit grossen Wirkungen und vielen Lachern.

Die Kritik von Christian Felix zum ersten Teil des Abends kann man hier lesen.

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