Wenn die Kunst mit der Wissenschaft

Die Veranstaltung

Was: Konferenz: Modes of Collaboration between the Arts and Sciences
Wo: Zürcher Hochschule der Künste
Wann: 29.04.2011
Bereiche: Bildende Kunst, Musik, Performance

Der Autor

Lukas Meyer: Jahrgang 1983, studierte Philosophie, Geschichte und Literatur und arbeitet als freier Journalist und Texter in Zürich.

Die Kritik

Lektorat: Fabienne Schmuki.
Diese Kritik wurde in Auftrag gegeben und bezahlt von: Zürcher Hochschule der Künste (siehe Unabhängigkeit).

Von Lukas Meyer, 2.5.2011

Unter dem Titel „Modes of Collaboration between the Arts and Sciences“ fand an der Zürcher Hochschule der Künste eine akademische Tagung mit Teilnehmern aus ganz Europa statt. Der Titel versprach eine Auseinandersetzung um mögliche Formen der Zusammenarbeit zwischen Kunst und Wissenschaft, vor allem in Bezug auf die „künstlerische Forschung“. Mit „science“ waren dabei nicht nur Natur- und Technikwissenschaften gemeint, sondern auch Geistes- und Sozialwissenschaften. Die beteiligten Forscher kamen meist aus letzterem Feld, der Kunst traditionell näher, und aus den Künsten selbst.

Im Museum

Als „Techtelmechtel“ wurde das Verhältnis von Kunst und Wissenschaft im Vortrag von Martin Tröndle, Professor an der Zeppelin-Universität in Friedrichshafen, eingeführt. Er stellte das an der HGK Basel durchgeführte Forschungsprojekt eMotion. Mapping Museum Experience vor. Darin wurde mit verschiedenen Experimentreihen und vor allem sozialwissenschaftlichen Methoden untersucht, wie sich Besucher in Museen bewegen und was sie wie wahrnehmen. Was laut Tröndle sehr wertvolle Einsichten für Kuratoren liefert und die Kunstsoziologie revolutionieren wird, stiess auf die kritische Frage aus dem Publikum. Dieses wollte beispielsweise wissen, ob das nun wirklich künstlerische Forschung sei oder doch eher Forschung über die Künste mit sozialwissenschaftlichen Methoden.

Forschende Musik

Germán Toro-Pérez, Leiter des Institute for Computer Music and Sound Technology und Professor für elektroakustische Komposition an der ZHdk, ging in seinem Vortrag von den Sieben Freien Künsten aus. Darin war die Musik zusammen mit Arithmetik, Geometrie und Astronomie Teil des Quadriviums. Historisch fundiert legte er dar, inwiefern viele Komponisten Forscher waren, welche wissenschaftliche Erkenntnisse aufnahmen und anregten. Speziell an den Vorreitern der elektroakustischen Musik, beginnend mit Edgar Varèse, zeigte er die Zusammenarbeit von Komponisten, Musikern und Wissenschaftlern auf. Obwohl der Begriff des Fortschrittes in der Kunst einen anderen Stellenwert hat als in der Wissenschaft geht es auch in der Kunst um eine Erweiterung der Möglichkeiten.

Getanzte Philosophie

Nach der Kaffeepause ging es weiter mit einer Direktübertragung künstlerischer Forschung aus Schweden. Mit einer Mischung aus Tanzvorführung und Vortrag stellte ein vierköpfiges Forschungsteam, bestehend aus drei Philosophinnen und einer Tänzerin, ein Projekt vor, in dem es um das Reden über das Tanzen geht. Wenn sie sich treffen, tanzen sie zuerst, um danach über theoretische Texte und über die körperlichen Erfahrungen beim Tanzen zu diskutieren. Dies führten sie etwas verkürzt auch auf der Bühne vor. Da es für einen Aussenstehenden nicht einfach war, den Zusammenhang zwischen körperlicher Erfahrung und den Verbalisierungen und Theoretisierungen nachzuvollziehen, kamen einige Nachfragen, welche eher vage beantwortet wurden. Der Zusammenhang zwischen Kunst und Forschung könnte hier sicherlich noch besser vermittelt werden. Vielleicht müssten die Zuhörer auch zum Mittanzen aufgefordert werden.

Transdisziplinarismus

In der Abschlussdiskussion unter dem Titel „Arts in Collaboration – A Transdisciplinary Perspective“ versuchte Michael Schwab (Royal College of Art, London) mit seinen Gästen einen Überblick zu geben. Flavia Caviezel (HGK Basel), Lysianne Léchot Hirt (HEAD Genf), Efva Lilja (University of Dance and Circus Stockholm) und Germán Toro-Pérez (ZHdK) präsentierten zuerst einige Statements, die schon  vorgängig verteilt worden waren. Dadurch war das Gespräch in der ersten Hälfte statisch und wurde erst in der zweiten Hälfte lebendiger. Es ging um Formen, Voraussetzungen und Probleme der transdisziplinären Zusammenarbeit, nicht nur zwischen Kunst und Wissenschaft, sondern auch zwischen den einzelnen Künsten. Der Trend hin zu solchen Arbeiten wurde in Frage gestellt. Zuerst müsse man in seiner Disziplin sicher sein und erst dann, wenn es einen Gewinn verspricht, die Grenzen öffnen, war man sich einig.

Insgesamt waren die Vorträge und Diskussionen der Tagung auf einem hohen, aber gut verständlichen Niveau. Die Vertreter der verschiedenen Disziplinen und Wissenschaften verstanden sich gut und fanden eine gemeinsame Sprache, was die Gespräche auch für Laien und Aussenstehende nachvollziehbar machte. Am Schluss gingen wohl die meisten mit vielen neuen Anregungen und Ideen nach Hause.

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