Die Kunst auf dem Markt

Die Veranstaltung

Was: Cultural Entrepreneurship – Neue Wege zum Erfolg oder bloss ein Schlagwort?
Wo: Theater der Künste, Bühne A
Wann: 12.05.2011
Bereiche: Bildende Kunst, Design

Der Autor

Lukas Meyer: Jahrgang 1983, studierte Philosophie, Geschichte und Literatur und arbeitet als freier Journalist und Texter in Zürich.

Die Kritik

Lektorat: Fabienne Schmuki.
Diese Kritik wurde in Auftrag gegeben und bezahlt von: Zürcher Hochschule der Künste (siehe Unabhängigkeit).

Von Lukas Meyer, 13.5.2011

Ein sehr praktisches und oft umstrittenes Thema behandelte die Veranstaltung von Z+ im Mai. Im Zentrum standen nämlich die Fragen: Wie kann man mit Kunst Geld verdienen? Und was ist die Aufgabe einer Kunsthochschule dabei?

Pietro Morandi ist Experte auf diesem Gebiet. Er leitet an der ZHdK den Weiterbildungsstudiengang «MAS Cultural Media Studies» sowie ein Forschungsprojekt zum Thema «Cultural Entrepreneurship». Weg von der Festanstellung, hin zur selbständigen Arbeit – dieser Trend, so Morandi, sei nicht nur, aber verstärkt im Kulturbereich zu beobachten. Viele Künstler würden wenig Geld mit ihrer Arbeit verdienen und sich selber mit Brotberufen subventionieren oder aber sie würden Fördergelder erhalten, wusste Morandi weiter zu berichten. Dem entgegen soll sich der Künstler im Sinne der «Cultural Entrepreneurship» als Unternehmer verstehen und seine Arbeit zu einem anständigen Preis verkaufen. Dies bedinge einerseits einen Mentalitätswandel – vor allem die Überwindung der Unterscheidung von «kommerzieller» und «künstlerisch wertvoller» Kunst –, andererseits  unternehmerisches Bewusstsein und Kompetenzen in kunstfernen Feldern wie Recht, Wirtschaft und Marketing bei den Künstlern selber.

Beispiele

Nach der theoretischen Einführung durch Pietro Morandi folgten zwei Beispiele aus der Praxis. Eva Kohli, Bachelor-Studentin des ZhdK-Studiengangs «Style & Design», stellte ihr Projekt Luva – Kapuzen als Accessoire vor. Mit dieser innovativen Idee nahm sie vor Kurzem am Venture Challenge an der ETH teil, wo sie die nötigen Kompetenzen zur Gründung eines Start-Up erwarb. Sie war neben den ETH-Spinoffs eine Exotin, wusste sich aber durzuchsetzen und ihr Produkt erfolgreich auf den Markt zu bringen. Die Grundidee entwickelte sie im Rahmen ihres Studiums. Für die konkrete Umsetzung und die Geldbeschaffung wandte sie sich an Stellen ausserhalb der ZHdK.

Auch Ueli Würth lieferte ein aktuelles Besipiel: Würth war schon vor seinem Tonmeister-Studium, das er 2010 mit dem Master abschloss, als Musikproduzent tätig. Sein Tonstudio Soundworx wurde im Laufe seiner Ausbildung immer professioneller und er weitete seine Tätigkeit auf den Handel mit einer von ihm entwickelten Stereoschiene aus. Zudem gründete er ergänzend eine Eventtechnik-Firma. In Würth schien ein geborener Unternehmer zu sprechen, der keine Hilfe von Seiten der Schule benötigt hatte.

Die Aufgabe der Schule

In der anschliessenden Podiumsdiskussion ging es um die Frage, was die ZHdK tun könne, um die StudentInnen als KleinunternehmerInnen zu unterstützen. Unter der Leitung von Katharina Tietze (Leitung Bachelor «Style & Design») diskutierten Jacqueline Otten (Direktorin des Departementes «Design»), Ruedi Widmer (Leitung Master «Art Education» und Kommission Lehre) und Christian Paul Kägi (Industrial Designer, schloss 2006 an der ZHdK ab und gründete ein Design-Studio). Auch das Publikum meldete sich rege zu Wort und berichtete aus eigener Erfahrung.

Was vor zehn Jahren undenkbar und vor fünf Jahren noch heikel war, ist heute Realität: Die Kunst orientiert sich vermehrt am Markt. Die Studenten sind sich dessen bewusst und schätzen ihre Situation realistisch ein. In der Lehre wird dies noch wenig berücksichtigt. Die Veranstaltungsteilnehmer forderten einhellig eine verstärkte Unterstützung von Projekten, die sich in einem ähnlichen Rahmen bewegen, wie die Arbeiten von Kohli und Würth. Vor allem wurde der Wunsch nach einer Plattform laut, die Starthilfe bieten könne. Ob dies für alle Studenten der ZHdK hilfreich wäre, blieb offen. Im Design – also eher nahe am «Kunstgewerbe» – scheint der Markteinstieg einfacher als in den freien Künsten. Doch wurde betont, dass es «Entrepreneure» in allen Bereichen gäbe. Sie könnten und sollten stärker unterstützt werden, ohne jedoch alle in dieselbe Richtung drängen zu wollen.

Leider blieben die meisten Studenten der äusserst interessanten und relevanten Diskussion fern. Ob dies daran lag, dass die Veranstaltung von Studierenden des Studienganges Cast per Livestream übertragen wurde oder doch eher an den vielen gleichzeitig stattfindenden Konkurrenzveranstaltungen, ist fraglich. Man kann nur hoffen, dass das Echo der Veranstaltung trotzdem nicht einfach verhallt, sondern offene Ohren finden wird und die Diskussion weiterhin geführt wird.

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