Humor, Klamauk und das Bisschen Haushalt

Die Veranstaltung

Was: Das Ende vom Anfang
Wo: Theater Rigiblick
Wann: 11.03.2010
Bereich: Theater

Der Autor

Matthias Nawrat: Jahrgang 1979, studiert Literarisches Schreiben am Schweizerischen Literaturinstitut in Biel. Seit mehr als zehn Jahren schreibt er Prosa. Als Schriftsteller und Musiker interessiert er sich für verschiedene Kultursparten. Seit zwei Jahren schreibt er als freier Journalist in den Bereichen Naturwissenschaften und Kultur.

Die Kritik

Lektorat: .

Von Matthias Nawrat, 14.3.2010

„Das Lachen ist eine fröhliche Erklärung des Menschen, dass das Leben lebenswert ist“, schreibt Sean O’Casey, dessen Komödie „Das Ende vom Anfang“ diesen Donnerstagabend im Theater Rigiblick Premiere gefeiert hat. Tatsächlich wurde viel gelacht im ausverkauften Saal auf dem verschneiten Rigiberg über Zürich.

Aber worüber wurde da gelacht?

Und wurde zu Recht gelacht? Eines vorweg: Ein Duo im Stile von Laurel und Hardy lieferte sich in rustikaler Szenerie ein Feuerwerk aus Slapstick, bei dem am Ende alles umgestülpt war wie ein Handschuh.

Zu klären bleibt, wie weit der Vergleich zwischen den zwei Kultkomikern, bekannt als Dick und Doof, trägt. Und wo genau die Grenze zwischen Humor und Klamauk verläuft.

Das Stück begann mit einer einfachen und bekannten Ausgangssituation: „Das bisschen Haushalt ist doch kein Problem, sagt mein Mann.“ Dieser Hit der Wunderjahre leitete die Zuschauer ein in die bühnenbildnerisch einfach aber überzeugend gestaltete Küche eines Bauernhauses. Lizzie (gespielt von Anina Jendreyko) und ihr Mann Darry Berrill (Gottfried Breitfuss) schliessen nach einem Streit eine Wette ab. Für einen Tag tauschen sie die Rollen, sie geht aufs Feld und er soll den Haushalt versorgen. „Ich zeige dir und deinem ganzen Geschlechte, wie die Hausarbeit gemacht wird“, posaunt Darry. Klar ist: Genau das wird nicht geschehen. Auf welche Weise wird der Mann aber scheitern? Wenige Augenblicke später steht Darrys Freund Barry (gespielt von Daniel Rohr) vor der Tür. Dicke Brille, zu kurze Hose, Hosenträger. Marke sympathisch trotteliger Nerd. Und genau der soll dem faulen Darry nun helfen, aufzuräumen.

Die Schraube des Ungeschicks

Erstaunlich, wie viel in einem Haushalt schief gehen kann, wenn ein solches Duo sich selbst überlassen wird. Am Ende gab es nicht nur abgetrennte Körperteile. Während ihrer Akrobatiken und Hampeleien blieben die zwei Freunde einem jederzeit sympathisch, wie zwei tragische Helden wurden sie einfach nur immer tiefer hineingezogen in die Abgründe ihrer eigenen Trotteligkeit. Im Grunde konnte man oft von Humor sprechen, wenn sich etwa die Schraube des Ungeschicks immer weiter zudrehte, bis in den absurden Exzess hinein, und Barry mit seinen zwei Lupengläsern vor den Augen überhaupt nichts davon mitbekam. Leider tauchten aber auch immer wieder billige Kalauer auf. So erklärte Darry seinem Freund die Wette mit seiner Frau zum Beispiel mit den Worten: „Sie hat mich produziert.“

Besonders überzeugend gab Daniel Rohr den Nerd Barry, der einem am Ende richtig ans Herz gewachsen war. Auch Gottfried Breitfuss machte seine Sache gut. Allerdings kam er streckenweise einen Tick zu affektiert daher, etwa wenn er schrie oder weinte. Diese fehlende Trockenheit unterschied Streitfuss und Rohr letztlich von ihren (vielleicht nur impliziten) Vorbildern Laurel und Hardy. Letztere verzogen kaum je eine Miene, wenn ihnen die Welt über dem Kopf zusammenbrach. Am Ende des etwas über eine Stunde dauernden Sketches kam Lizzie vom Feld in das „Trümmerpanorama“ ihrer Küche zurück und Bauer Darry präsentierte einen überraschenden Schuldigen.

Das Publikum lachte wie gesagt gut und viel. Es applaudierte die Schauspieler sechs Mal auf die Bühne. Humor und Klamauk trennt eine feine Linie. Wer Schlangenlinien fährt, erwischt beide etwa gleich häufig. Eines stimmt allerdings in jedem Fall: „Das Lachen ist eine fröhliche Erklärung des Menschen, dass das Leben lebenswert ist.“

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